Die Vorgeschichte zu diesem Lauf begann eigentlich mit dem 30. Geburtstag von meinem Freund und Trainingspartner Alwin Moosbrugger. Uns ist nichts besseres eingefallen wie ihm ein Wochenende für einen Berglauf in der Schweiz zu schenken. Ich wusste natürlich nichts besseres zu tun und versprach dass ich mitgehen werde. Was macht der gute Knabe er sucht sich natürlich einen der strengeren Bergläufe aus. Die Wahl fiel auf den Inferno-Halbmarathon. Von Lauterbrunnen (795m) geht es nach Mürren (1.640m) und weiter auf das Schilthorn (2.970m). Das Höhenprofil kann man sich auf dem folgenden Link anschauen: Höhenprofil Inferno Halbmarathon
Am
16.08.2002 fuhren wir dann mit einer Abordnung des TriTeam
Kleinwalsertal in die Schweiz. Die Fahrt ging zunächst nach Thun am Thuner
See. Dort trafen wir uns mit Seppi und Edith Neuhauser. In Thun ist der Start
des Inferno
Triathlon an dem Seppi Neuhauser teilnahm.
Strecke: Schwimmen - Thun - Oberhofen - Distanz 3.1
km
Road Bike: Oberhofen (562 Meter über Meer) - Sigriswil (810) - Beatenberg
(1153) - Interlaken (563) - Meiringen (593) - Grosse Scheidegg (1962) -
Grindelwald (1034) - Distanz 86 km, Steigung 2145 m.
Mountain Bike: Grindelwald (1034) - Kleine Scheidegg (2061) - Wengen (1275) -
Lauterbrunnen (795) - Stechelberg (862) - Distanz 31 km, Steigung 1180 m.
Berglauf: Stechelberg (862) - Lauterbrunnen (795) - Mürren (1640) - Schilthorn
(2970) -Distanz 25 km, Steigung 2175 m.
In Thun gingen wir am Abend noch zum Essen und Alwin und ich übernachteten dort in einem Hotel. Der Rest der Mannschaft, Daniel Benauer, Angelika u. Erich Pühringer, Seppi und Edith Neuhauser übernachteten im Auto bzw. im Zelt.
Am
nächsten Tag fuhren wir noch ca. eine halbe Stunde nach Lauterbrunnen. Seppi
war bereits um 6.30 Uhr auf die Schwimmstrecke gegangen. Alwin und ich mussten
uns noch anmelden und dann begannen die üblichen Startvorbereitungen.
Vorgenommen habe ich mir persönlich eigentlich nur halbwegs ordentlich ins Ziel
kommen. So einen verrückten Berglauf hattee ich ja davor noch nie gemacht.
Um 10.15 Uhr war dann endlich der Start. Vom Campingplatz in Lauterbrunnen
mussten wir zunächst ein wenig talauswärts, bis wir nach vielleicht knapp
einem Kilometer links abbiegen mussten und der Anstieg begann. Wir wählten ein
sehr gemächliches Anfangstempo. Die Sonne meinte es auch sehr gut und brannte
uns ordentlich auf die Birne. Irgendwo im Ort feuerte uns ziemlich lautstark
eine "Guggamusik" an. Sie waren als Teufel verkleidet und machten
ordentlich Krawall. Nach ca. 2 km kam der erste Verpflegungsstand und wir
bedienten uns von Anfang an ordentlich. Die ersten Kilometer ging es relativ
gleich angenehm ansteigend bergauf und wir bemühten uns ein gleichmäßiges
Tempo zu laufen. Nach ein paar Kilometern, es dürfte so nach 6 km sein, geht es
dann mal ein gutes Stück steiler bergauf und man musste zum Teil gehen. Ich
fühlte mich sehr gut und Alwin hatte große Mühe dran zu bleiben, aber er biss
sich fest.
Von km 7 oder 8 weg ging es dann ziemlich flach und wir hatten einen herrlichen
Ausblick auf die Eiger-Nordwand, den Eiger-Gipfel, den Mönch und die Jungfrau,
die berühmtesten Gipfel im Berner Oberland. Auf der Ebene hatte ich etwas
Probleme mit der Hüfte, aber es war nicht weiter schlimm. Dann ging es durch
den Ort Mürren und dort wurde jeder Läufer von einem Ansager angekündigt. Er
meinte: "Die kommen von Mittelberg, einem mittleren Berg, das ist nicht
ganz so hoch wie das Schilthorn. Wir mussten ein Handzeichen geben, damit man
wusste wer die Mittelberger sind. Nach Mürren ging dann die Strecke erst
richtig los und wir mussten bald mal gehen, weil es so steil wurde.
An der Höhenlücke (1.900m) bei ca. 14,5 km merke ich dass sich eventuell ein
Krampf bilden könnte, ich versuche aber trotzdem an Alwin dran zu bleiben. Bei
ca. 15 km, im Kanonenrohr ist es dann so weit und der erste Krampf belästigt
mein Vorwärtskommen. Ich muss Alwin ziehen lassen und es stinkt mir schon, weil
ich "atmungsmäßig" überhaupt keine Probleme habe und ich mir auch
einbilde, dass ich auch noch genügend Kraftreserven habe. O.K. denke ich mir
gehe ich halt etwas gemütlicher durch das Kanonenrohr und dann geht es
vielleicht wieder halbwegs und das flachere Stück ab der Schilthornhütte kann
ich dann vielleicht doch noch laufen. Bis zur Schilthornhütte komme ich dann
auch noch halbwegs, zwar mit abwechselnden Krämpfen in den Oberschenkeln, aber
ich muss wenigstens nicht länger stehen bleiben. Massiere mir immer während
dem Gehen die Schenkel. Bei der Schilthornhütte denke ich mir noch, jetzt
probier mal ob man wieder Laufen kann. Ist nichts zu machen, es meldet sich
andauernd irgendwo ein Krampf. Es ist noch ein Schweizer, mit dem wechsle ich
mich mit den Krampfphasen ab. Die ewig lange flachere Etappe muss ich gehen und
da überholen mich schon die ganze Zeit viele andere Läufer. Sehr motivierend.
Ich glaube es war dann kurz vor 19 km da war dann im rechten Oberschenkel oder
war es im Waden, da war es dann so hart dass ich ich nicht mehr laufen
konnte.
Da stehst du da und versuchst die Verhärtung wieder los zu bringen. Ein netter
Läufer hat mir noch was zum Essen angeboten. Es ist echt ein beschissenes
Gefühl. Ich war überhaupt nicht ausgelaugt und konnte nicht weiterlaufen.
Irgendwann kam dann Erich Pühringer und hat mir noch angeboten, dass er mit mir
mit läuft. So ein Angebot kann ich nicht annehmen, schließlich soll er sein
eigenes Ergebnis einfahren. War im ersten Moment nicht gerade besonders
motivierend, als ich ihn gesehen habe, obwohl ich schon damit gerechnet habe,
dass er bald mal auftauchen müsste. Dann habe ich mich irgendwann mal weiter
gequält. Beim letzten Verpflegungsstand, ich glaube es ist an der
Schilthorntraverse (2.620 m) und kurz vor 20 km sah ich wie einer bei einem
Sanitäter war und sich mit einer Creme oder Salbe massieren ließ. Das machte
ich auch und das war dann wohl meine Rettung. Ich bin dann zwar mehr oder
weniger den letzten Kilometer und die über 300 Höhenmeter gekrochen aber
immerhin bin ich noch ins Ziel gekommen. Nach 3 Stunden 39 Minuten 28,1 Sekunden
war ich dann endlich auch mal oben auf dem Gipfel. Ich war ziemlich
"massig" und sehr enttäuscht. Das Rennen ist mir voll in die Hose
gegangen. Ich habe mir zwar nichts spezielles vorgenommen, doch außer den
Krämpfen habe ich mich immer gut gefühlt. Vor allem konditionell fühlte ich
mich sehr gut. Beim Kriechtempo am Schluss ist es natürlich kein Wunder, aber
auch bis zum ersten Krampf gab es nie Probleme und es war nicht schwer die
"Schweinehunde" zu überwinden.
Man gibt ja immer der mangelnden Verpflegung bei Krampfproblemen die Schuld. Ich
kann mich allerdings noch nie daran erinnern, dass ich mich jemals vor und
während dem Wettkampf so gut verpflegt habe. Es war auf jeden Fall nicht mein
Tag. Vertragen habe ich wahrscheinlich die Umstellung vom Laufen zum Gehen nicht
so besonders. Ausgerechnet das was mir sonst nie Probleme macht. Vielleicht
hätte ich auch 2 Tage vorher nicht zum Blut spenden gehen sollen. Werde das
Problem aber mal mit dem Doktore besprechen.
Habe nämlich kein Bock auf 3-4 km fast 40 Minuten Zeit liegen zu lassen. Den
Wettkampf muss ich jetzt abhaken und es gibt neue Ziele, die vielleicht besser
verwirklicht werden.
Der Rest unserer Gruppe machte seine Sache wie ich meine sehr gut. Herbert Gabriel, der für das TriTeam Kleinwalsertal startet war mit 2:45.14,0 der Schnellste der Walser Truppe. Daniel Benauer kam mit der Zeit von 2:50.34,5 ins Ziel und erreichte bei den Junioren einen hervorragenden 3. Rang. Alwin Moosbrugger 3:03.31,6 Sekunden und Erich Pühringer 3:27.51,8 können mit ihren Zeiten auch sehr zufrieden sein!
Seppi Neuhauser wurde bei dem brutalen Triathlon mit einer Zeit von 10 Stunden 29 Minuten 50,3 Sekunden 17. und in seiner Altersklasse 6. Auf dem Rennrad war er eine Zeit lang sogar auf dem 3. Rang. Er hat danach gesagt, dass ihm an diesem Tag einfach die Kraft fehlte. Finde ich aber trotzdem eine ganz tolle Leistung !
Loben möchte ich auch noch die tolle Organisation des Laufes. Da ist wirklich an alles gedacht. Nur Erich hatte etwas Probleme seine geliebte Bouillon am Verpflegungsstand zu ergattern, gell Erich. Mir hat sie ganz gut geschmeckt *fg*.
Auch wenn der Wettkampf für mich nicht so erfreulich war hatten wir es sehr lustig und vielleicht bin ich ja wieder mal so verrückt und mache so einen Berglauf mit.